Gott lieben? - Teil 2

Der erste Beitrag zum Thema war etwas ungenau. Im Titel ging es um die Liebe zu Gott, im Beitrag selbst um die Liebe Gottes zu uns. Das war also das wirkliche Thema.

Inzwischen bin ich etwas weiter gekommen. Mein heimliches Thema ist und bleibt immer wieder das Verhältnis von Transzendenz und Immanenz, also Gottes übernatürliches Handeln zu allen natürlichen und natur- und geisteswissenschasftlichen Erklärungen.

Klaus Bergers Vorlesungen verdanke ich das Denken in Dualen, also in Kategorien und in Tabellenform. Ich hab da ein paar Wortpaare gefunden, die meine Frage etwas erhellen:

Immanenz - Transzendenz
profan - heilig
Unsere Hände - Gottes Hände
materiell/körperlich - geistig
mit Sinnen spürbar - nicht spürbar
Tun - Beten
menschlich - göttlich
irdisch - göttlich
schauen - glauben
sichtbar - unsichtbar
schon jetzt - noch nicht

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Gegenüberstellung voll zutrifft, aber wenn sie nur annähernd stimmt, dann lässt sich bezüglich der Frage ergänzen:
Liebe von Menschen - Liebe von Gott
Damit gehört die Liebe von Gott zu Menschen auf die Seite des Glaubens, des Nicht-Spürens, des Noch-Nicht, des Transzendenten.
Natürlich werde ich die Liebe Gottes nie so spüren wie von Menschen. Eben weil Gott kein Mensch ist, der mich umarmt etc..

Und die Gewissheit Seiner Liebe, von der Günter so schön schrieb als eine Gabe des Geistes, gehört doch eben auch auf die tranzendente Seite, auf die geistige, nicht-körperliche.

Mich erleichtert diese Erkenntnis.

Zugleich gibt es mir die Aufgabe auf, mich mehr mit dieser Liebe Gottes zu beschäftigen. Und Liebe erzeugt Gegenliebe, wie auch Martin ich seiner nicht oft genug anzupreisenden Predigt sagte.

7 Kommentare:

wegbegleiter hat gesagt…

Eieiei, spannendes Thema! Die Dualismen von Bergen verleiten natürlich dazu, in alte Schienen griechischer Denke hinein zu rutschen, entweder oder, schwarz weiß, körperlich geistig, sichtbar unsichtbar...nicht ungefährlich - meines Erachtens (aber vielleicht würdest du das genauso schreiben) muss man dabei sehr deutlich machen, dass es nicht um ein entweder oder, sondern vielmehr um ein sowohl als auch geht - wie so oft in jüdischer Denke und zwar nicht als watteweicher Mittelweg, sondern als spannungsreiches Leben beider Pole und dem Erleben, dass die beiden (phasenweise) ineinander übergehen... Beispiel: Gebet und nicht zuletzt unsere Arbeit im Reich Gottes sollen das Unsichtbare sichtbar machen. Gottes Liebe ist somit nicht rein transzendent, sondern durchaus fleischlich (im nicht-paulinischen Sinne) erfahrbar, durch Mitmenschen, die Gott gebraucht, aber auch durch emotionale Regungen. Ich möchte damit rechnen, möchte aber nicht davon abhängig sein, weil die Überführung des Transzendenten ins Immanente eben Gnade ist und Geschenk Gottes. Ich rechne damit, aber ich darf - ähnlich wie du - de Gelassenheit haben, dass es Gottes Sache ist, das aber nichts an der Liebe Gottes ändert. Danke für diesen Impuls..;-)

Achti hat gesagt…

Aber wenn die Liebe Gottes nicht rein transzendent ist, sonder fleischlich erfahrbar - dann ist ja eben doch wieder "nur" immanent erfahrbar. Es ist doch erstmal eine weltimmanente körperliche Erfahrung. Erst meine Deutung macht es zu einer transzendenten Erfahrung.
Ich frage mich, ob z.B. der Jabbok-Kampf eine transzendente und körperliche Erfahrung war. Oder war er erst durch die Deutung in der Retroperspektive? (Nur als Beispiel)

wegbegleiter hat gesagt…

Spannend. Zum Beispiel: Jabbok ist für mich eindeutiges Ringen mit Gott - auf beiden Ebenen, ich könnte und wollte das nicht vergeistlichen, die Humpelhüfte kann man natürlich auch tiefenpsychologisch ausschlachten, was seinen Reiz hat, aber nee, die ist auch so passiert (und das nicht, weil Jakob aus dem Bett gefallen ist). Die Problematik liegt für mich eher darin, dass wir solche Erfahrungen, die ja auch biblisch eher die Ausnahme sind, zur Routine erheben und erwarten. Ich sag mal so und taste mich mal heran: Gottes Liebe ist in der Tat transzendent, aber Liebe ist ja dialogisch, benötigt also ein Ziel - und dieses ist ja auf jeden Fall immanent... nämlich z.B. Achti und wegbegleiter...:-). Und während wir in der Ewigkeit diese Liebe mit allen Sinnen (die man dann hat) erfahren werden (wie es sich für eine Braut und den Bräutigam gehört), bekommen wir hier einen Vorgeschmack darauf. Wenn nun Gott die Liebe ist und diese sich aufs Beste in Jesus verkörpert, was sagt das darüber aus, dass dieser immanent wird? Fleisch? Ich buchstabiere hier herum... aber ich kann nicht die Liebe Gottes auf den Sender beschränken und damit im transzendenten halten und mir dann einreden: ach, ich brauche ja nix zu spüren...

Achti hat gesagt…

Jesus kam in unsere Immanenz. Nur leider war ich da noch nicht immanent. Das nützt mir erstmal nichts, wenn ich wirklich etwas spüren will. Und darum ging es Dir doch auch, oder? Die Liebe Gottes nicht nur kognitiv begreifen (sofern das geht), sondern mit Sinnen spüren.
Damit wären wir wieder am Ausgangspunkt.
Wie findest Du eigentlich den Post von Günter?

wegbegleiter hat gesagt…

Wir diskutieren jetzt einfach weiter und veröffentlichen das Ganze dann als Buch...;-). Also mal ein Zwischenstand: ich finde Günters Post hilfreich, weil er deutlich macht, was ich in den letzten Wochen erst entdecke: uns ist alles geschenkt, alles ist bereits in uns angelegt durch die Gnade und den Heiligen Geist. Die Frage ist: leben wir es aus, entdecken wir es. Und wenn nicht, warum nicht? Somit verändert sich die Sicht von Spiritualität weg vom Machen hin zum Entdecken und Loslassen von Blockaden - begleitet vom Einüben hilfreicher Disziplinen wie zum Beispiel Dankbarkeit.
Stand im Urlaub auf einer Mole in Cuxhaven und Gott sagte mir (war sowieso ein netter Dialog): du bist ziemlich unersättlich mit deinem Verlangen nach Liebe, weißt du eigentlich wie viel Liebe ich dir Chaot in den letzten Jahren schon gezeigt habe und du hast es kaum gemerkt? Mmmhm. Hat mich nachdenklich gemacht und ich beginne zu kapieren, dass ich einfach Blockaden habe, um diese Liebe wahrzunehmen, die bereits da ist. Daran arbeite ich jetzt mit meinem Supervisor und Seelsorger und auch für mich und so finde ich unseren Dialog genial und klärend. Also doch'n Buch.

Zu Jesus Immanenz. Jesu Immanenz wird meines Erachtens durch den Heiligen Geist bis heute fortgesetzt, der in uns als Tempel einzieht und unser Leben verändern soll und will. Gott wurde Mensch in Jesus, zugespitzt gesagt: nun wird er Mensch in jedem der glaubt und baut so weiter. Natürlich auf einer gänzlich anderen Qualitätsstufe, aber immerhin. Und by the way: als mir Gott diesen Rüfel erteilte auf der Mole, da habe ich was von einer Vaterliebe wahrgenommen, wenn auch von einer eher herben Art...;-)

Hans hat gesagt…

Ich stell mir eben vor, wie die göttliche Dreieinigkeit kopfschüttelnd, stirnrunzelnd, lächelnd, nachdenklich, neugierig Euren Dialog verfolgt. Und die Cherubim tuscheln.

Das Buch werde ich jedenfalls kaufen, Amen.

Liebe Grüße,
Hans

Sabina hat gesagt…

Eine andere Sicht von Gottes Liebe auf meinem Blog, ohne mich mit Immanenz und Transzendenz auszukennen:

http://sabinaonline.wordpress.com/2008/08/23/2005-liebe-deinen-naechsten/

Auf eure Auslegung dieser Attribute allerdings freue ich mich :-) nur zu:

mit Sinnen spürbar - nicht spürbar
schauen - glauben
sichtbar - unsichtbar
schon jetzt - noch nicht