Warnung: Wort&Geist-Sekte

Es gibt eine relativ junge Bewegung, die sich "Wort und Geist" (WuG) nennt. Sie ist so jung, dass die EZW (Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen) erst in der jüngsten Ausgabe darüber berichtet. Da der Text noch nicht online, stell ich hier meine gescannte Fassung zum Download (4,41 MB) zur Verfügung.

Lesenswerte Berichte finden sich außerdem auch im Blog von Martin Dreyer und bei Storch (1|2). Auch Ron hat davor gewarnt.

Nach allem, was ich bisher gehört und gelesen habe, halte ich es für eine gefährliche Bewegung, vor der ich eindringlich warnen möchte.

Prüfet die Geister!

Mit Gott rechnen

Letzte Woche hat Storch ein ziemlich geile Predigt gehalten. Es ging darum, mit Gott zu leben, ihn zu erleben, statt ihn zu durchdenken und berechnen.

Als Beispiel die Möwe: sie weiß nichts von Schwerkraft, Aerodynamik usw. - im Gegensatz zu vielen Menschen. Im Gegensatz zu vielen Menschen kann sie aber fliegen. Und was nützt da das wissen?
Besser als das Wissen über das Fliegen ist das Fliegen selbst.
Besser als alles theologische Wissen über Gott, ist Gott zu erleben, mit ihm zu leben. Alles andere wäre nur "Buchstabe, der tötet."

Heute morgen entdecke ich in den Losungen einen Vers von Eckard Herrmann:
"Als ich dich denkend berechnen wollte, Gott, habe ich dich verloren. Als ich dankend mit dir gerechnet habe, habe ich dich gefunden."
Mit Gott kann man nicht rechnen - aber rechne mit Gott!

Angst vor Gesetzlichkeit

Typisch evangelisch: Angst vor allem, was irgendwie den Geruch von Gesetzlichkeit hat. Die Gnade wird zu recht stark betont.

Sobald aber jemand aus seinem Glauben heraus ein bestimmtes Handlungsbewusstsein an den Tag legt, schlägt die Gratia-Keule wieder zu: Zur Freiheit hat euch Christus befreit ...

Mal überspitzt: Wenn ich als bewusste Glaubenshaltung vorwiegend Bio- und Transfair-Produkte kaufe, gelte ich als gesetzlich.

Komisch nur, dass ich noch nie gehört habe, dass Juden oder Moslems der Gesetzlichkeit verdächtigt würden, wo bestimmte Sachzwänge doch viel offensichtlicher sind. Hab ich jedenfalls noch nie aus dem Mund evangelischer Theolunken gehört.
Naja, wir ja tolerant...

... nur nicht, wenn Christen entschiedene Glaubenshaltungen entwickeln. Denn mit ihrer entschiedenen bewussten Haltung diskreditieren sie ja diejenigen Christen, die nicht so handeln. Indirekt hat man also Angst, dass einem der Glaube abgesprochen wird.

Niemand will jemanden den Glauben absprechen. Aber in der Tat frage ich mich, wie man als denkender und verantwortungsbewusster ernster Christ ohne Gewissensbisse Atomstrom, Discountkaffee oder Genprodukte konsumieren kann. Und um solche Fragen muss man in aller evangelischer Freiheit doch ringen dürfen.

Bin ich deshalb gesetzlich und unfrei? Find ich nicht. Zur Freiheit hat Christus mich befreit. Und ich bin so frei, mich für bestimmte Verhaltensweisen zu entscheiden.

"Jesus, bei dir darf ich so bleiben wie ich bin...
Jesus, bei dir muss ich nicht so bleiben, wie ich bin."

Abtreibung oder Wohl der Eltern?

"Die Ärzte haben nur an ihre Ethik und an das Kind gedacht", beklagt sich Ludwigs Mutter. Ludwig ist zwei Jahre alt und behindert, so beschreibt es Spiegel online.

In diesem Fall haben die Ärzte zum Wohl des Kindes entschieden und damit für ein menschliches Leben. Kein "Recht auf Abtreibung" (O-Ton).

Wer sind wir denn, dass wir über Leben und Tod bzw. über wertes und unwertes Leben entscheiden? Das hatten wir doch schon mal ...

Über die Mühen und Strapazen mit einem behinderten Kind kann ich als Nichtbetroffener keine Aussagen machen. Das maße ich mir nicht an. Respekt vor allen, die es tun! Nicht alle Menschen können das.

Doch was spricht in so einem Fall gegen die Freigabe zur Adoption? Oder kann es sein, dass niemand ein behindertes Kind adoptieren möchte?

Wie weit darf die Diskriminierung noch gehen? Ist es etwa weniger diskriminierend, nur weil der Behinderte noch nicht geboren ist?

Was uns noch fehlt ist die Abtreibung nach der Geburt - oder politisch korrekt verschleiert: postnataler Abort.
Klingt wie Ab-Art oder Ab-Ort,
reimt sich auf ....

Neues Leben: Gott gefallen

Was heißt das eigentlich "Neues Leben"? Sagt sich so schön im christlichen Kontext.

Paulus wirft in 2.Korinther 5 ein paar interessante Schlaglichter:

Zunächst gilt: So wie Jesus gestorben ist, so ist auch unser altes Leben tot (V.14). Und so wie Christus auferstanden ist, haben wir als Christen (s)ein neues Leben - allerdings nicht für uns selbst als Selbstzweck, sondern für ihn (V.15).

Dieses neue Leben machen wir aber nicht selbst, sondern es kommt extern von Gott (V.18). Wie das? Dadurch, dass er uns durch Jesu Tat zu sich zieht (V.18).

Gott nicht sich, sondern die Welt versöhnt - mit sich. Das ist die Grundlage des neuen Lebens. Sündenvergebung für alle! Nun ist aber nicht so, dass Gott den Menschen etwas überstülpt. Denn dann hätte ja prinzipiell jeder Mensch schon das neue Leben und es gäbe keinen Unterschied, der Passus hier bei Paulus wäre überflüssig.

Die Versöhnung ist Gottes Angebot. Deshalb lässt Gott bitten: "Lasst euch versöhnen mit Gott!" (V. 20). Was sollte diese Aufforderung, wenn die Versöhnung schon automatisch allen übergestülpt wäre. Nein, der Mensch hat sein freies Mitbestimmungsrecht. Gott handelt also nicht entgegen dem menschlichen Willen!

Das neue Leben ist also nur möglich, weil Gott die Versöhnung allen Menschen anbietet. Das ist die Grundvoraussetzung. Versöhnung geschieht jedoch nicht ohne die Zustimmung des Individuums. Wer sich der Versöhnung Gott gewiss ist, der ist wie ausgewechselt, der ist wie neu geboren: ein neues Leben. Das bedeutet deshalb jedoch nicht zwangsläufig ein datierbares Bekehrungserlebnis.

Mache ich das neue Leben dann nicht doch durch meine Entscheidung selbst?
Nein. Dazu ist der Gedankengang der ersten zehn Verse wichtig:

Paulus hofft auf ein jenseitiges Leben bei Gott. Deshalb ist sein Ziel, so zu leben, wie es Gott gefällt (V.4). Die Argumentation ist aber nicht, Gott gefällig zu leben, damit er ewiges Leben bekommt, sondern andersrum: weil er die Gewissheit hat, will er Gott gefällig leben. Das ist intrinsische Motivation: von innen heraus. In einer zwischenmenschlichen Beziehung will man seinem Partner ja auch gefallen, weil man ihn liebt, und nicht damit!

Fazit:
  • Die Grundvoraussetzung für ein neues Leben kommt extern von Gott durch das Christusgeschehen. Das gilt unabhängig jeglicher menschlicher Leistung.
  • Neues Leben überkommt einen jedoch nicht entgegen dem eigenen Willen. Es gibt menschlicherseits ein "Mitspracherecht".
  • Das neue Leben wirkt sich aufgrund dieser Gewissheit dahingehend aus, dass der Gläubige Gott gefallen möchte. Aus Dankbarkeit und Liebe.
  • Weiterführende Frage: Wie kann ich Gott durch mein Leben gefallen?

Fairlangen

Vorbildlich legen die Erlanger ein Portal hin, das dem Endverbraucher hilft, ethisch verantwortbar zu leben. Sei es einkaufen, essen, trinken, Energie etc...

Seht selbst: www.fairlangen.org

Ich finde, das brauchten wir in jeder Stadt. Oder vielleicht ein nationales Netzwerk?
Jedenfalls bietet diese Site auch viel Allgemeingültiges.

Praise!

Alternative zur Säuglingstaufe

Bei der Säuglingstaufe werden unmündige Säuglinge auf Wunsch ihrer Erziehungsberechtigten hin getauft. Eine gültige Form der Taufe. Das möchte ich hier nicht diskutieren.
(Siehe dazu Label "Taufe").

Doch was ist die Alternative? Einmal begrifflich, aber hinter jedem Begriff verbirgt sich ein Theoriegebäude.

  • Erwachsenentaufe. Was genau heißt das? Ab 18, oder ab 21, je nach Land? Geht es wirklich um das Alter und den Rechtsstatus vor dem jeweiligen Staat?
  • Mündigentaufe. Was heißt das? Religionsmündigkeit ist man in Deutschland ab 14. Vollmündig dann ab 18. Wäre wieder nur das numerische Alter. Und was ist vor allem mit Kindern, die sich z.B. mit 10 Jahren gläubigen Herzens zur Taufe entscheiden? Was ist mit Schwerbehinderten?
  • Glaubenstaufe. Wer ist denn gläubig? "Wieviel" Glaube soll es denn sein? Wird der eigene Glaube zur Vorraussetzung zur Taufe gemacht, kommt man nicht umhin, ihn zu überprüfen. Aber ist Glaube überprüfbar? Wie will man fiducia überprüfen? Nach welchen Kriterien? Behaupten kann ich ja immerhin alles mögliche, was ich angeblich glaube. Ob der Kämmerer aus Äthiopien (Apg. 8) wohl der Überprüfung heutiger Taufgemeinden standhalten könnte?
  • Bekenntnistaufe. Welches Bekenntnis darf es denn sein? Ein bestimmtes? Oder gibt es einen Minimalkonsens und wer legt den fest? Und ein Lippenbekenntnis sagt ja nur etwas über notitia und assensus aus, nicht aber über das vertrauende fiducia. Geht es wirklich um eine kognitive Leistung?
  • Freiwilligentaufe. Hier ist die minimale Vorraussetzung der Taufe das eigene Taufbegehren. Über Wissen und Glauben bricht niemand der Richterstab. Alter und rechtlicher Status sind irrelevant. Diese Variante ist mir die sympathischste. Sie hat nur einen Haken: Was machen wir mit Schwerstbehinderten, die nicht in der Lage sind, eigene Wünsche zu formulieren?
Dass die Säuglingstaufe ebenso viele Probleme mit sich bringt, weiß ich auch. Ich sagte ja schon: darum geht hier nicht.
Mir wird nur immer wieder bewusst, dass dieses Thema nicht ganz so einfach ist, wie wir es gerne hätten. Und jede dogmatische Fixierung einer Tauflehre bringt ihre eigenen Aporien mit sich.

Sind wir doch bitte alle so ehrlich, das einzugestehen. Dann würde wir im Dialog entschieden weiterkommen!

P.S.: Wer die Weisheit mit Löffeln gegessen hat, kann sie gerne für sich behalten. Erspart mir belehrende und rechthaberische Kommentare. Bitte!

Wieso ist Gott nicht zu allen gleich gut?

Ich bekomme einen großen (gebrauchten) Fernseher geschenkt, so ein großes Teil. Geschenk! Umsonst! Geilo!

Muss oder darf ich Gott dafür danken? Hat Gott damit überhaupt was zu tun? Immerhin haben echte Menschen mir das Teil geschenkt, es fiel (glücklicher Weise!) nicht vom Himmel. ;-)

Wieso sollte Gott mir so einen Luxusartikel schenken (den ich schon in klein habe), während täglich Menschen verhungern?
Wieso schenkt Gott diesen Menschen nicht statt dessen Nahrung?

Kann es sein, dass beides aus Gottes Hand kommt, mein Fernseher und die nicht vorhandene Nahrung? Passt das zu Gott, dass er meinen Luxus vermehrt, während andere unschuldig verhungern müssen? Hm ...

Nein, traue mich nicht, für dieses Gerät ein Dankgebet zu sagen. Das käme mir geradezu höhnisch vor. Aber vielleicht ist das ein Anlass, selbst einen eigenen kleinen Beitrag gegen den Welthunger zu tun.